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BaFin warnt vor Nordnet: Einblick in illegale Finanzdienstleistungen

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BaFin warnt vor Nordnet- Einblick in illegale Finanzdienstleistungen - ABOWi Law

Warnung der BaFin: Nordnetfinance.org im Fokus – Onlinebanking ohne Erlaubnis? Wie sicher ist Ihr digitales Geld, wenn Webseiten aussehen wie echte Banken – aber rechtlich auf Sand bauen?

Die BaFin hat am 28. Juli 2025 eindringlich vor der Plattform nordnetfinance.org gewarnt: Dort werden mutmaßlich Bankgeschäfte sowie Finanz- und Wertpapierdienstleistungen angeboten – und das völlig ohne die dafür notwendige Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz (§ 37 Abs. 4 KWG). Ein starker Alarm, der zeigt, wie geschickt nicht autorisierte Anbieter im digitalen Raum agieren. Die Konsequenz: Wer in Deutschland solche Leistungen ohne BaFin-Zulassung anbietet, bewegt sich klar außerhalb des Gesetzes – und schadet damit nicht nur sich selbst, sondern potenziell zahlreichen Verbraucherinnen und Verbrauchern BaFin.

Die digitale Transformation des Finanzmarkts birgt immense Chancen – aber auch erhebliche Risiken. Wenn Professionalität nur Fassade bleibt, droht Anlegern nicht nur finanzieller Schaden, sondern auch der Verlust von Vertrauen in ein System, das eigentlich Sicherheit bieten sollte. Und hier kommt die juristisch zentrale Frage ins Spiel: Reicht unser rechtlicher Rahmen und die Fähigkeit der Aufsicht aus, solchen hochgradig raffinierten Täuschungsversuchen standzuhalten? Wer trägt die Verantwortung, wenn digitale Plattformen blitzschnell neue Domainnamen, Identitäten und Angebote generieren können – während Verbraucher und Rechtssystem ihnen hinterherschauen?

Dieser Beitrag nimmt Sie mit in die juristische Analyse: Warum können solche Plattformen trotz bestehender Gesetze so effektiv operieren? Wie wirksam ist § 37 KWG gegen virtuelle Schattenbanken? Und was kann rechtliche Beratung schon heute leisten, um Verbraucherinnen und Verbraucher vor diesem digitalen Drahtseilakt zu schützen?

Die Rolle der BaFin im deutschen Finanzsystem

Die BaFin ist eine mächtige Institution im deutschen Finanz- und Bankwesen, deren Hauptaufgabe es ist, die Stabilität der Finanzmärkte zu sichern, Marktmissbrauch zu verhindern und das Funktionieren komplexer Finanzprodukte für Verbraucher sicherer zu machen. Im Zentrum ihrer regulatorischen Arbeit steht stets das Kreditwesengesetz, das klare Regeln definiert, wann und wie Finanzdienstleistungen und Bankgeschäfte in Deutschland durchgeführt werden dürfen. Paragraf 37 Absatz 4 KWG räumt der BaFin dabei das Recht ein, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wenn der Verdacht besteht, dass jemand ohne erforderliche Erlaubnis tätig wird.

„Diese Warnfunktion der BaFin ist keineswegs ein zahnloser Tiger“, erläutert Dr. Thomas Schulte, Rechtsanwalt in Berlin und erfahrener Experte im Bereich Bank- und Kapitalmarktrecht, „sondern ein effektives Mittel, potenzielle Opfer von Betrug zu schützen und zugleich Druck auf die illegal agierenden Anbieter auszuüben.“

Der aktuelle Fall: Nordnetfinance.org als verdächtiger Anbieter

Im Fall von Nordnetfinance.org verdichten sich die Hinweise, dass es sich nicht um ein legitimes Unternehmen handelt. Weder besitzt die Betreiberin eine entsprechende Erlaubnis der BaFin noch erfüllt sie die Anforderungen an Transparenz und Seriosität, wie sie von regulierten Finanzdienstleistern erwartet werden. Die Präsentation auf der Website wirkt zwar professionell, greift aber auf typische Merkmale sogenannter Scam-Seiten zurück: Hochglanz-Design, falsche Namen von „Beratern“, Versprechen überdurchschnittlicher Renditen und eine aggressiv-verführerische Ansprache potenzieller Kunden.

Diese Praxis ist im juristischen Sinne nicht nur sittenwidrig, sondern auch strafrechtlich relevant. „Das Anbieten von Bankgeschäften oder Finanzdienstleistungen ohne Lizenz stellt in Deutschland eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit empfindlichen Bußgeldern geahndet wird“, stellt Dr. Schulte klar und verweist auf § 54 KWG, der ergänzend zu § 37 KWG einschlägig ist.

Rechtslage: Erlaubnispflicht und Schutz der Allgemeinheit

Gemäß § 32 Abs. 1 Satz 1 KWG bedarf der schriftlichen Erlaubnis der Bundesanstalt, wer in Deutschland Bankgeschäfte betreiben oder Finanzdienstleistungen erbringen will. Diese Norm bildet das Herzstück der präventiven Finanzaufsicht. Ziel ist der Schutz der Kunden vor unzuverlässigen oder unseriösen Anbietern. Dabei kennt das Gesetz keine Ausnahme für vermeintlich internationale Plattformen oder digitale Finanz-Startups. Wer ohne diese Erlaubnis handelt, operiert schlicht rechtswidrig.

Dr. Schulte betont die praktischen Auswirkungen: „Die BaFin erteilt diese Erlaubnis nur unter äußerst strikten Bedingungen. So muss ein Unternehmen unter anderem über eine ausreichende Kapitaldecke, transparente Strukturen, geeignetes Fachpersonal und eine funktionierende Compliance-Struktur verfügen. Dies ist bei Anbietern wie Nordnetfinance.org erklärtermaßen nicht der Fall.“

Die Gefahren für Verbraucher im digitalen Raum

Das Beispiel Nordnet zeigt erneut, wie groß die Gefahren für Verbraucher im digitalen Finanzraum sind, wenn sie sich auf nicht regulierte Anbieter einlassen. Besonders über das Internet agieren zahlreiche Firmen, die mit seriös klingenden Namen internationale Finanzdienstleistungen anbieten, ohne dafür über die erforderliche Zulassung zu verfügen. Sie nutzen die Unsicherheiten vieler Verbraucher aus, die entweder nicht wissen, wie sie die Seriosität eines Angebots überprüfen können, oder sich von hohen Renditeversprechen blenden lassen.

„Hier ist besondere Wachsamkeit gefragt“, so Dr. Schulte. „Wir raten allen Bürgerinnen und Bürgern, bei jedem Finanzangebot zunächst auf der Website der BaFin nachzusehen, ob der Anbieter überhaupt registriert ist. Ein fehlender Eintrag sollte sofort Anlass zur Vorsicht sein.“ In mehreren öffentlich zugänglichen Datenbanken war nordnetfinance.org zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der BaFin-Warnung nicht auffindbar – ein klares Warnsignal.

Zusammenspiel von BaFin, BKA und Landeskriminalämtern

Rechtsanwalt für Autobetrug, Dr. Thomas Schulte
Rechtsanwalt gegen Autobetrug, Dr. Thomas Schulte

Nicht nur die BaFin, auch das Bundeskriminalamt und verschiedene Landeskriminalämter sind in solchen Fällen alarmiert. Die Zusammenarbeit zwischen den Behörden erfolgt meist eng, da es sich potenziell um organisierte Kriminalität handeln kann, die über Ländergrenzen hinweg agiert. Betrügerische Finanzplattformen haben oft ihren Sitz im Ausland, betreiben ihr Geschäft jedoch gezielt in Deutschland, da der hiesige Markt als lukrativ gilt.

Von außen betrachtet ist der Zugang zu diesen Websites denkbar einfach. Doch hinter der professionellen Fassade lauern oft betrügerische Machenschaften: Kundengelder verschwinden auf Auslandskonten, vermeintliche Gewinne können nicht ausgezahlt werden, und der Kundenservice reagiert nicht mehr. Fälle wie dieser schreien juristisch förmlich nach einer länderübergreifenden Koordination der Strafverfolgung.

Verbraucherschutz und präventive Aufklärung

Die Warnung der BaFin ist daher nicht nur eine rechtliche Maßnahme, sondern auch ein Appell an die Eigenverantwortung der Verbraucher. Die Aufklärung über finanzielle Risiken, überlegtes Handeln und genaue Prüfung unbekannter Anbieter gehören zu den grundlegenden Voraussetzungen für einen sicheren Umgang mit Geld im digitalen Zeitalter. Die BaFin leistet hierzu auch im Bereich der Information wertvolle Dienste: So ist der Podcast „Vorsicht, Betrug!“ für viele ein hilfreicher Einstieg.

Verbraucher müssen begreifen, dass der digitale Raum kein rechtsfreier Raum ist“, gibt Dr. Schulte zu bedenken. „Wer Geld investieren will, sollte nicht nur Reiseportale sorgfältig vergleichen, sondern doppelt und dreifach prüfen, wem er sein Kapital anvertraut.“ Die zunehmende Anzahl an BaFin-Warnungen deutet darauf hin, dass Bedarf an juristischer Aufklärung nach wie vor enorm ist.

Juristische Handlungsoptionen für Betroffene

Für Betroffene solcher Betrugsfälle stellt sich die berechtigte Frage, welche juristischen Möglichkeiten offenstehen, um verlorenes Geld zurückzuerlangen. Der erste Schritt ist meist die Anzeige bei der örtlichen Polizei oder direkt beim Bundeskriminalamt. Parallel dazu können zivilrechtliche Schritte geprüft werden, etwa über eine Rückforderung der Einzahlungen oder Ansprüche wegen arglistiger Täuschung.

„Rechtlich gesehen ist die Lage komplex, aber keineswegs aussichtslos“, so Dr. Schulte. „Gerade durch die Kollaboration mit internationalen Ermittlungsbehörden ergeben sich zunehmend neue Möglichkeiten, zumindest Teile des Vermögens sicherzustellen.“ Entscheidend sei dabei ein zügiges Handeln. Zeitverlust könne hier den Unterschied zwischen Rückgewinnung und Totalverlust bedeuten.

Fazit: Augen auf beim digitalen Finanzgeschäft

Der Fall Nordnetfinance.org zeigt exemplarisch, welchen Gefahren sich Verbraucher im digitalen Finanzwesen aussetzen können und wie wichtig eine konsequente Beaufsichtigung des Marktes ist. Die BaFin erfüllt hier eine zentrale Warnfunktion im Sinne des § 37 KWG und arbeitet Hand in Hand mit anderen Behörden daran, schwarze Schafe vom Markt zu drängen. Vertrauen ist ein zentrales Gut im Finanzwesen – und dieses darf nicht durch kriminelle Anbieter untergraben werden.

Dr. Schulte schließt mit einem klaren Appell: „Lassen Sie sich niemals von hohen Gewinnversprechen blenden. Vertrauen Sie nur Anbietern, die reguliert und transparent agieren. Und scheuen Sie sich nicht, rechtlichen Rat einzuholen, bevor es zu spät ist.“

Bild von Valentin Schulte

Valentin Schulte

Als Mitgründer von ABOWI LAW und Dipl.-Jur. ist Valentin Schulte wissenschaftlicher Mitarbeiter von ABOWI Law. Neben des Studiums der Rechtswissenschaften erlangte er einen Magisterabschluss in Wirtschaftswissenschaften.

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