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Ein Jahrzehnt Diesel-Betrug: Wie der Abgasbetrug aufflog

ABOWI Law
Ein Jahrzehnt Diesel-Betrug- Wie der Abgasbetrug aufflog - ABOWI Law
Mgr. Valentin Schulte, Dipl.-Jur.
Valentin Schulte, Dipl. Jurist & Volkswirt
Zum Diesel-Skandal – zehn Jahre danach Der Diesel-Skandal hat nicht nur die Automobilindustrie erschüttert, sondern auch das Vertrauen von Millionen Verbrauchern in Recht, Kontrolle und Technik tief erschüttert. Zehn Jahre später ist es Zeit für eine juristische und wirtschaftliche Standortbestimmung. Sind die Versprechen der Aufarbeitung erfüllt worden – oder haben sich lediglich die Spielregeln für den Betrug verändert? „Der Skandal war nicht nur ein technisches, sondern ein institutionelles Versagen“, so Valentin Schulte, Diplomjurist und Volkswirt. Die Täuschung von Millionen Kunden durch manipulative Software zur Emissionsmessung – offengelegt 2015 – führte zwar zu Milliardenstrafen, aber nur wenigen persönlichen Konsequenzen für Entscheider. Viele Verfahren endeten mit Vergleichen, nicht mit rechtskräftigen Schuldsprüchen. Ein ungleiches Verhältnis zwischen ökonomischer Verantwortung und rechtlicher Rechenschaft. Zudem: Der Fokus der Entschädigung lag auf US-Kunden. Deutsche Verbraucher mussten ihre Rechte mühsam vor Gericht erstreiten. Auch 2025 sind noch tausende Verfahren anhängig. Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom Mai 2020 (Az. VI ZR 252/19) erkannte zwar grundsätzlich einen Schadenersatzanspruch bei sittenwidriger Täuschung – doch diese Tür öffnete sich spät.

Ein Jahrzehnt Diesel-Skandal – und was hat sich wirklich verändert? Von Abgas-Lügen, Milliardenklagen und einem Vertrauensbruch, der bis heute nachwirkt – oder sind wir längst in der nächsten Täuschungsrunde?

2015 erschütterte der Diesel-Skandal die Automobilwelt: Millionen Fahrzeuge waren manipuliert, Verbraucher getäuscht, Umweltwerte gefälscht. Seither sind zehn Jahre vergangen – eine Dekade voller Klagen, Vergleiche, Gesetze und Imagekampagnen. Doch was ist geblieben? Hat sich die juristische Aufarbeitung in verbesserte Verbraucherschutzmechanismen verwandelt – oder erleben wir 2025 nur eine geschicktere Version desselben Spiels?

Dr. Thomas Schulte, Rechtsanwalt mit Expertise im Verbraucherschutzrecht, fragt: „Wurde der Diesel-Skandal juristisch wirklich aufgearbeitet – oder hat man nur die Kulisse gewechselt, während der alte Motor weiterläuft?“

Die juristische Bilanz ist ambivalent – und der Markt bleibt unruhig. Der Diesel ist nicht tot, sondern lebt in Rechtsakten, EU-Richtlinien und enttäuschten Erwartungen weiter. Die nächste Runde ist eingeläutet – mit E-Fuels, CO₂-Flottengrenzwerten und millionenschweren Umrüstprogrammen. Wer schützt heute noch den Verbraucher? Wer zieht die Grenzen zwischen technischer Innovation und vorsätzlicher Täuschung?

Dieselgate 2.0? Zehn Jahre Abgas-Skandal – was hat sich wirklich geändert?

Ein Jahrzehnt nach der größten Verbrauchertäuschung der Automobilgeschichte stehen neue Fragen im Raum: Ist der Diesel-Skandal wirklich aufgearbeitet – oder rollt bereits die nächste Manipulationswelle an? Bereits 2012 schlugen erste Experten in Deutschland Alarm. Dr. Axel Friedrich, langjähriger Mitarbeiter des Umweltbundesamtes, erkannte frühzeitig die Diskrepanz zwischen offiziellen Emissionswerten und den tatsächlichen Schadstoffausstößen vieler Fahrzeuge. Er vermutete Manipulationen an der Motorsteuerung, konnte dies aber zunächst nicht beweisen. Erst mit dem Einsatz mobiler Messsysteme, die eine direkte Erfassung der Abgase im realen Fahrbetrieb ermöglichten, ließ sich der Betrug mit wissenschaftlicher Präzision nachweisen. Friedrich arbeitete mit dem International Council on Clean Transportation (ICCT) zusammen und initiierte umfassende unabhängige Tests. Diese zeigten erschreckende Ergebnisse: Einige Modelle überschritten die zulässigen Stickoxid-Grenzwerte auf der Straße um das bis zu 40-Fache.

Der Durchbruch kam schließlich durch eine Studie in den USA, die dieselben Fahrzeuge unter Alltagsbedingungen untersuchte. Die Diskrepanz zwischen Laborwerten und Realbetrieb war so gravierend, dass die amerikanischen Umweltbehörden aktiv wurden. Der Fall erlangte internationale Aufmerksamkeit, als der Volkswagen-Konzern öffentlich zugab, eine Abschaltvorrichtung in Millionen von Fahrzeugen installiert zu haben. Die Software erkannte, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befand, und schaltete in diesem Fall in einen emissionsarmen Modus. Außerhalb des Testbetriebs jedoch stießen die Motoren ein Vielfaches der erlaubten Schadstoffe aus.

Die rechtlichen Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten

Dr. Thomas Schulte, Rechtsanwalt
Dr. Thomas Schulte, Rechtanwalt

In den USA musste Volkswagen rund 18 Milliarden Dollar an Strafen und Entschädigungen zahlen. In Europa klagten hunderttausende Kunden auf Schadensersatz. Auch andere Hersteller wie Audi, Mercedes-Benz und BMW gerieten zunehmend unter Druck. Die Justiz reagierte mit Ermittlungen und Verfahren. Im Jahr 2025 verurteilte das Landgericht Braunschweig einen ehemaligen VW-Manager wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs zu mehreren Jahren Haft. Die Anklage stützte sich auf § 263 StGB, der insbesondere bei Täuschung und Bereicherungsabsicht greift.

Rechtsanwalt Dr. Thomas Schulte, Vertrauensanwalt bei ABOWI Law, bewertet den Abgas-Skandal als eine der gravierendsten Verbrauchertäuschungen der Industriegeschichte. „Hier wurde gezielt getäuscht, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen – auf Kosten von Umwelt, Kunden und Vertrauen“, so Schulte. Experten wiesen betroffene Fahrzeughalter an, Rückrufe sorgfältig zu prüfen, sämtliche Nachrüstungen zu dokumentieren und die gesetzlichen Fristen zur Geltendmachung von Ansprüchen genau zu beachten.

Die politische Reaktion folgte mit zeitlicher Verzögerung, setzte dann aber deutliche Signale. Ab dem Jahr 2017 wurden Real Drive Emission (RDE)-Tests verpflichtend. Diese schreiben vor, dass neue Fahrzeugtypen ihre Emissionsgrenzen auch im realen Fahrbetrieb einhalten müssen. Zudem führte die EU neue Verordnungen ein, etwa die 2018/858 zur unabhängigen Marktüberwachung. Auch technisch wurden Anpassungen vorgenommen. Hersteller mussten SCR-Katalysatoren einbauen, die mit AdBlue arbeiten, um Stickoxide gezielt zu reduzieren. Die Umstellung war teuer, doch sie war ein notwendiger Schritt in Richtung ehrlicher und transparenter Abgaswerte.

Die Auswirkungen auf den Automarkt waren dramatisch

Das Vertrauen der Verbraucher in die Dieselmotoren war erschüttert. Der Marktanteil von Diesel-Pkw sank europaweit von über 50 Prozent im Jahr 2015 auf 12,4 Prozent im Jahr 2024. Viele Kunden wechselten zu Hybrid- oder Elektrofahrzeugen. Städte wie Berlin, Stuttgart oder München richteten Umweltzonen ein, in denen ältere Diesel mit hohen Emissionen nicht mehr fahren durften. Laut Kraftfahrt-Bundesamt ging die Zahl der Euro-4-Diesel-Fahrzeuge zwischen 2018 und 2024 um über 60 Prozent zurück. Dies zeigt eindrücklich, wie politischer Druck und gesellschaftliches Umdenken zusammenwirken können.

Doch trotz aller Enthüllungen und Maßnahmen bleiben viele Fragen offen. Warum konnte der Betrug über Jahre hinweg unentdeckt bleiben? Warum handelten die europäischen Behörden nicht entschlossener, obwohl Hinweise schon seit 2007 existierten? Dr. Axel Friedrich äußerte sich mehrfach kritisch zur damaligen Zurückhaltung: „Man wollte die deutsche Autoindustrie nicht beschädigen. Erst der massive Druck aus den USA zwang zum Umdenken.“ Tatsächlich wurden viele der manipulierten Fahrzeuge nach Bekanntwerden des Skandals exportiert – in Länder, deren Emissionsregeln weniger streng waren. Die Umweltbelastung wurde somit lediglich geografisch verlagert, nicht aber wirklich reduziert.

Der Diesel-Skandal hatte nicht nur juristische, sondern auch strukturelle Folgen. Die gesamte Zulassungspraxis wurde überarbeitet. Prüfstellen wurden unabhängiger, Grenzwerte wurden verschärft, Testbedingungen realistischer gestaltet. Aus dem Skandal entwickelte sich eine tiefgreifende Reform, die das Vertrauen in technische Angaben und Umweltstandards stärken soll. „Die Verbraucher haben ein Recht auf Ehrlichkeit – und die Industrie eine Pflicht zur Wahrheit“, sagt Dr. Thomas Schulte. In seiner Kanzlei betreut er zahlreiche Fälle rund um den Dieselbetrug und setzt sich für transparente Aufarbeitung ein.

Für Verbraucher hat Dieselgate auch eine Lernfunktion

Der Skandal zeigt, wie wichtig es ist, sich selbst zu informieren, Fahrzeugdaten kritisch zu prüfen und im Zweifel rechtliche Unterstützung zu suchen. Fahrzeughalter sollten bei Rückrufen genau prüfen, ob das eigene Modell betroffen ist, welche Nachrüstungen vorgenommen werden und ob dadurch neue Risiken entstehen. Auch die Auswirkungen auf Wiederverkaufswert und Steuerlast sind nicht zu unterschätzen.

Heute gilt Dieselgate als Lehrstück moderner Industriegeschichte. Es hat gezeigt, dass auch große Konzerne nicht über dem Gesetz stehen und Whistleblower sowie unabhängige Institutionen eine zentrale Rolle bei der Aufdeckung von Missständen spielen. Die politischen Konsequenzen reichen weit: von verschärften Zulassungsverfahren über geänderte Umweltgesetze bis hin zur Frage nach der ethischen Verantwortung von Unternehmen in einer globalisierten Welt.

Der Fall hat nicht nur die deutsche Autoindustrie, sondern auch die globale Wahrnehmung von Umweltstandards und Verbraucherschutz nachhaltig verändert. Er ist ein Mahnmal für die Risiken ungeprüfter Technikgläubigkeit und zugleich ein Aufruf zu mehr Wachsamkeit und Verantwortung.

Rechtsanwalt Dr. Thomas Schulte bringt es auf den Punkt: „Ein zweites Dieselgate darf es nicht geben. Die Lehren aus diesem Skandal müssen in Gesetz, Technik und Bewusstsein dauerhaft verankert werden.“

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Valentin Schulte

Als Mitgründer von ABOWI LAW und Dipl.-Jur. ist Valentin Schulte wissenschaftlicher Mitarbeiter von ABOWI Law. Neben des Studiums der Rechtswissenschaften erlangte er einen Magisterabschluss in Wirtschaftswissenschaften.

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